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142. Die zweite Gerichtsverhandlung
»Da ging der Hauptmann mit den Knechten hin und holte
sie, doch nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten sich vor
dem Volk, dass sie gesteinigt würden. Und sie brachten sie
und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester
fragte sie und sprach: Haben wir euch nicht streng geboten,
in diesem Namen nicht zu lehren? Und seht, ihr habt
Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt das Blut dieses
Menschen über uns bringen.« Sie waren jetzt genauso
unwillig, die Schuld an der Ermordung Jesu auf sich zu
nehmen wie bei dem Schrei der verderbten Menge: »Sein
Blut komme über uns und unsere Kinder!«
Petrus und die anderen Apostel verteidigten sich auf
die gleiche Weise wie bei der ersten Verhandlung: »Petrus
aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muss
Gott mehr gehorchen als den Menschen.« Der von Gott
gesandte Engel, der sie aus dem Gefängnis befreit hatte,
hatte ihnen befohlen, im Tempel zu lehren. Sie befolgten
seine Anweisung und gehorchten somit dem göttlichen
Befehl, den sie ausführen mussten, koste es, was es wolle.
Petrus fuhr fort: »Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt,
den ihr an das Holz gehängt und getötet habt. Den
hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und
Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu
geben. Und wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit
uns der heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die
ihm gehorchen.«
Der Geist der Inspiration war über die Apostel gekommen;
die Angeklagten wurden zum Kläger und beschuldigten
die Ratsversammlung der Priester und Obersten als
Mörder Christi. Darüber gerieten die jüdischen Führer so
in Wut, dass sie beschlossen ohne weiteres Verhör und
ohne Genehmigung der römischen Beamten das Gesetz
selbst in die Hand zu nehmen und die Gefangenen dem
Tod auszuliefern. Bereits schuldig am Blut Christi, wollten
sie ihre Hände jetzt auch mit dem Blut seiner Apostel
beflecken. Doch es gab einen Mann, der gelehrt war und
eine hohe Stellung einnahm; er erkannte klar und deutlich
die schrecklichen Konsequenzen dieses ungestümen
Handelns. Gott erweckte einen Mann aus ihrer eigenen
Ratsversammlung, um das gewaltsame Vorgehen der
Priester und Obersten aufzuhalten.
Gamaliel, ein gelehrter Pharisäer und Arzt von gutem
Ruf, war eine sehr bedachtsame Persönlichkeit. Er setzte
sich für die Gefangenen ein und bat darum, sie woanders
hinzubringen. Dann sprach er wohlüberlegt und ruhig:
»Ihr Männer von Israel, seht genau zu, was ihr mit diesen
Menschen tun wollt. Denn vor einiger Zeit stand Theudas
auf und gab vor, er wäre etwas, und ihm hing eine Anzahl
Männer an, etwa vierhundert. Der wurde erschlagen, und
alle, die ihm folgten, wurden zerstreut und vernichtet.
Danach stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der
Volkszählung und brachte eine Menge Volk hinter sich
zum Aufruhr; und der ist auch umgekommen, und alle,
die ihm folgten, wurden zerstreut. Und nun sage ich euch:
Lasst ab von diesen Menschen und lasst sie gehen! Ist
dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wirds
untergehen; ist es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht
vernichten damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen
Gott streiten wollen.«
Die Priester erkannten seine vernünftigen Ansichten
und konnten nicht anders, als ihm zuzustimmen; widerstrebend
entließen sie die Gefangenen, nachdem man sie
gegeißelt und ihnen wiederholt befohlen hatte, nie wieder
im Namen Jesu zu predigen, sonst würden sie für ihren
Wagemut bezahlen müssen. »Sie gingen aber fröhlich von
dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um
seines Namens willen Schmach zu leiden, und sie hörten
nicht auf, alle Tage im Tempel und hier und dort in den
Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von
Jesus Christus.«
Mit gutem Grund waren die Verfolger der Apostel sehr
beunruhigt, als sie die Unmöglichkeit erkannten, diese
Zeugen für Christus zu überwinden, die um ihres Meisters
willen Erniedrigung und Seelenangst vor ihnen ertragen
hatten und die den Glauben und den Mut besaßen, ihre
Schande in Herrlichkeit und ihre Schmerzen in Freude
zu verwandeln. So predigten diese mutigen Jünger auch
weiterhin öffentlich und geheim in den Häusern derer, die
aus Angst vor den Juden kein offenes Bekenntnis ihres
Glaubens wagten.
143. Evangeliumsordnung
Apostelgeschichte 6,1-7
»In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm,
erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der
Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen bei
der täglichen Versorgung übersehen wurden.« Sie kamen
aus griechisch sprechenden Ländern. Die Mehrheit der
Bekehrten waren Juden, die hebräisch sprachen; die anderen
hatten im römischen Reich gelebt und sprachen nur
griechisch. Klagen kamen auf, dass die griechischen Witwen
nicht so großzügig mit dem Notwendigsten versorgt
wurden wie die Bedürftigen unter den Hebräern. Diese
unterschiedliche Handhabung war nicht Gott gewollt;
deshalb wurde sofort etwas getan, um den Frieden und
die Einigkeit unter den Gläubigen wiederherzustellen.
Der heilige Geist regte sie dazu an, die Apostel von
der Zuteilung an die Armen und ähnlichem zu entbinden,
damit sie frei waren, das Evangelium von Christus zu
verkündigen. »Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger
zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir
für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes
vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um
nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf
haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die
wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen
ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben!«
Die Gemeinde wählte sieben Männer voll Glauben und
Weisheit des heiligen Geistes zur Beaufsichtigung dieser
Spendenverteilungen. Als erster wurde Stephanus gewählt,
ein gebürtiger Jude, der griechisch sprach und die
Gewohnheiten der Griechen kannte. Er war am besten für
die Leitung dieser sozialen Aufgabe geeignet. Alle waren
mit der Wahl einverstanden, und so beruhigte sich die Situation.
Sieben erwählten Männern wurden durch Gebet und
Handauflegen feierlich für ihre Aufgaben eingesetzt; auch
zur Verkündigung des Evangeliums. Uns wird berichtet,
dass »Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, Wunder und
große Zeichen unter dem Volk tat.« Sie waren besonnen,
taktvoll und hatten ein gerechtes Urteilsvermögen und
konnten so mit schwierigen Situationen, Klagen, Murren
oder Neid fertig werden. Die Entscheidung für diese
Männer wurde von Gott reich gesegnet. Die Gemeinde
wuchs zahlenmäßig und an Kraft. »Und das Wort Gottes
breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß
in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben
gehorsam.«
Auch heute ist es nötig, dass die Gemeinde die gleiche
Ordnung und dasselbe System wie in der Zeit der Apostel
beibehält. Der Fortgang des Werkes hängt weitgehend von
den Fähigkeiten der Menschen und ihrer Qualifikation für
ihren Dienst in den verschiedenen Abteilungen ab. Alle,
die von Gott erwählt werden, um sein Werk zu leiten und
das geistliche Interesse der Gemeinde zu beaufsichtigen,
sollten weitgehend von zeitlichen Sorgen frei sein. Menschen,
die Gott berufen hat, das Wort zu predigen und zu
lehren, sollten für Besinnung, Gebet und Bibelstudium
Zeit haben. Wenn sie sich um Allgemeines kümmern müssen
und sich mit verschiedenen Temperamenten beschäftigen,
die in der Gemeinde zusammentreffen, leidet ihr
geistlicher Scharfsinn. Alle zeitlichen Angelegenheiten
sollten von geeigneten Beamten entschieden werden. Bei
schwierigen Themen muss es dem Ausschuss unterbreitet
werden, der die Aufsicht über die ganze Gemeinde hat.
144. Der Tod des Stephanus
Apostelgeschichte 6,8-7,60
Stephanus war sehr aktiv im Werk Gottes und bekannte
unerschrocken seinen Glauben. »Da standen einige auf
von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und
der Alexandriner und einige von denen aus Zilizien und
der Provinz Asien und stritten mit Stephanus. Doch sie
vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem
Geist, in dem er redete.«
Diese Schüler der großen Rabbis waren sich ihres
Sieges über Stephanus bei einer öffentlichen Diskussion
völlig sicher, weil sie ihn für unwissend hielten. Doch er
sprach nicht nur in der Kraft des heiligen Geistes, sondern
es wurde für alle Anwesenden erkennbar, dass er die Propheten
kannte und in allen Fragen des Gesetzes bewandert
war. Geschickt verteidigte er die von ihm vertretene
Wahrheit und überwand seine Gegner.
Die Priester und Obersten, die Zeugen dieser wunderbaren
Offenbarung der Kraft waren, die die Predigt des
Stephanus begleitete, wurden von bitterem Hass erfüllt.
Statt sich von den klaren Beweisen überführen zu lassen,
beschlossen sie, ihn zum Schweigen zu bringen und zu
töten. Deshalb ergriffen sie Stephanus und brachten ihn
vor den Hohen Rat den Sanhedrin, um seinen Fall zu
untersuchen.
Gelehrte Juden aus den Ländern der Umgebung waren
zusammengerufen worden, um die Beweisführung des
Angeklagten zu widerlegen.
Auch Saulus war anwesend ein entschiedener Gegner
der Lehren Christi und ein Verfolger all derer, die an Jesus
glaubten. Er spielte eine führende Rolle gegen Stephanus.
Mit der Beredsamkeit und Logik eines Rabbiners versuchte
er, die Menschen davon zu überzeugen, dass Stephanus
verführerische und gefährliche Lehren verbreitete. Aber
in Stephanus stieß Saulus auf einen Menschen, der eine
genauso hohe Bildung besaß wie er selbst, und der ein
sehr klares Verständnis hatte für die von Gott geplante
Ausbreitung des Evangeliums unter allen Völkern. Er
glaubte an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und
wusste alles über die Vorrechte der Juden. Doch sein Glaube
war umfassender, und ihm war bewusst, dass jetzt die
Zeit gekommen war, in der die wahren Gläubigen nicht
nur in Tempeln anbeten sollten, die mit Händen gemacht
sind, sondern die Menschen in der ganzen Welt Gott im
Geist und in der Wahrheit anbeten konnten. Vor den Augen
von Stephanus war der Schleier gefallen, und er erkannte
das Ende aller Dinge, die durch Christi Tod aufgehoben
worden waren.
Trotz ihres heftigen Widerstandes konnten die Priester
und Obersten nichts gegen seine klare, ruhige Weisheit
ausrichten. Weil sie befürchteten, andere würden seinen
Glauben übernehmen, und weil sie ihre hasserfüllten
Rachegefühle befriedigen wollten, beschlossen sie, ein
Exempel zu statuieren. Eindrucksvolle Anklagen wurden
gegen ihn erhoben. Bestochene Zeugen behaupteten, er
hätte gegen den Tempel und das Gesetz gelästert. Sie sagten:
»Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus von
Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Ordnungen
ändern, die uns Mose gegeben hat!« Als Stephanus seinen
Richtern von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, um
sich wegen der Anklage der Lästerung zu verantworten,
erleuchtete ein heiliger Glanz sein Angesicht. »Und alle,
die im Rat saßen, blickten auf ihn und sahen sein Ange251
sicht wie eines Engels Angesicht.« Viele, die dies sahen,
zitterten und verhüllten ihr Gesicht; doch ihr halsstarriger
Unglaube und ihr Vorurteil gerieten nicht ins Wanken.
145. Die Verteidigungsrede des Stephanus
Als Stephanus gefragt wurde, ob die gegen ihn erhobene
Anklage der Wahrheit entspräche, begann er seine Verteidigung
mit klarer durchdringender Stimme, die im ganzen
Gerichtssaal zu hören war. Er wiederholte die Geschichte
des von Gott erwählten Volkes, mit Worten, die die
ganze Versammlung fesselte. Er bewies eine gründliche
Kenntnis der jüdischen Ordnung und deren geistliche Bedeutung,
die jetzt durch Christus offenbart worden war.
Er begann bei Abraham, verfolgte die ganze Geschichte
von Generation zu Generation, indem er alle nationalen
Berichte über Israel bis hin zur Zeit Salomos erläuterte
und dabei die eindrucksvollsten Punkte zu seiner Rechtfertigung
benutzte.
Er machte seine eigene Treue zu Gott und zum jüdischen
Glauben deutlich, wies aber darauf hin, dass das
Gesetz, auf das sie ihr Vertrauen zu ihrer Errettung setzten,
Israel nicht vor dem Götzendienst bewahren konnte. Er
zeigte den Zusammenhang zwischen Jesus und der ganzen
jüdischen Geschichte auf, verwies auf den Tempelbau
durch Salomo und auf die Worte Salomos und Jesajas:
»Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit
Händen gemacht sind. ... Der Himmel ist mein Thron und
die Erde der Schemel meiner Füße; was wollt ihr mir denn
für ein Haus bauen, spricht der Herr, oder was ist die Stätte
meiner Ruhe? Hat nicht meine Hand das alles gemacht?«
Er machte deutlich, dass der Platz der Anbetung Gottes
im Himmel ist.
Als Stephanus zu diesem Punkt kam, brach ein Tumult
unter dem Volk aus. Der Gefangene konnte in ihren
Gesichtern ablesen, was ihn erwartete. Er sah, welchen
Widerstand seine Worte hervorriefen, die ihm der heilige
Geist eingegeben hatte und ihm war klar, dass es sein letztes
Zeugnis sein würde. Nur wenige, die Stephanus Rede
lesen, wissen sie richtig zu bewerten. Die Gelegenheit, die
Zeit und der Ort sollten beachtet werden, um die ganze
Bedeutung seiner Worte zu verstehen.
Als er Jesus Christus mit den Prophezeiungen in Verbindung
brachte und in der eben erwähnten Art und Weise
über den Tempel sprach, zerriss der Priester angeblich vor
Entsetzen sein Gewand. Diese Handlung war für Stephanus
ein Zeichen, dass er bald für immer zum Schweigen
gebracht werden sollte. Obwohl er erst bis zur Mitte
seiner Predigt gekommen war, schloss er sie plötzlich
ab, unterbrach die Geschichtskette und wandte sich mit
folgenden Worten an seine vor Wut rasenden Richter: »Ihr
Halsstarrigen mit verstockten Herzen und tauben Ohren,
ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter,
so auch ihr. Welchen Propheten haben eure Väter nicht
verfolgt? Und sie haben getötet, die zuvor verkündigten
das Kommen des Gerechten, dessen Verräter und Mörder
ihr nun geworden seid. Ihr habt das Gesetz empfangen
durch Weisung von Engeln und habts nicht gehalten.«
146. Der Tod eines Märtyrers
Als sie dies hörten, waren die Priester und Obersten außer
sich vor Zorn. Sie glichen mehr wilden Raubtieren als
menschlichen Wesen und fielen zähneknirschend über
Stephanus her. Doch er hatte es erwartet und ließ sich
nicht einschüchtern. Ruhig und mit leuchtendem Gesicht
stand er vor den wutentbrannten Priestern und dem
aufgebrachten Pöbel, die ihn nicht erschrecken konnten.
»Er aber, voll heiligen Geistes, sah auf zum Himmel und
sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten
Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und
den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!«
Seine Umgebung nahm er nicht mehr wahr; die Tore des
Himmels standen offen, und Stephanus sah die Herrlichkeit
am Thron Gottes und Christus, als ob er sich gerade
von seinem Thron erhoben hatte, um seinem Diener beizustehen,
der in seinem Namen den Märtyrertod erleiden
würde. Als Stephanus die Herrlichkeit beschrieb, die er
mit seinen Augen sah, war das mehr, als seine Verfolger
ertragen konnten. Sie hielten sich die Ohren zu, um seine
Worte nicht mehr zu hören, brachen in lautes Geschrei aus
und stürmten wütend auf ihn ein.
»Und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an
und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er fiel
auf die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese
Sünde nicht an! Und als er das gesagt hatte, verschied
er.« Während der gläubige Märtyrer die Schmerzen dieses
äußerst grausamen Todes erlitt, betete er wie sein Meister
für seine Mörder. Die Zeugen, die Stephanus angeklagt
hatten, mussten die ersten Steine werfen. Sie legten ihre
Kleider vor Saulus nieder, der sich aktiv am Wortwechsel
beteiligt hatte und mit der Steinigung des Gefangenen einverstanden
war. Der Märtyrertod des Stephanus machte
einen tiefen Eindruck auf alle, die Augenzeugen waren.
Für die Gemeinde war es eine schwere Prüfung, die
aber zur Bekehrung von Saulus führte. Er konnte den
standhaften Glauben und die Verherrlichung des Märtyrers
nie wieder aus seinem Gedächtnis löschen. Das
Siegel Gottes auf seinem Angesicht und seine Worte, die
alle Herzen der Zuhörer tief bewegt hatten, außer denen,
die sich dem Licht hartnäckig widersetzten, prägten sich
fest im Gedächtnis der Anwesenden ein und bezeugten
die Wahrheit, die er verkündet hatte.
Es war kein rechtmäßiges Urteil über Stephanus gefällt
worden. Man bestach die römischen Behörden mit hohen
Geldsummen, um eine Untersuchung dieses Falles zu verhindern.
Das Verhör und der Tod des Stephanus schienen
Saulus mit grimmigem Eifer zu erfüllen. Seine geheime
Überzeugung, dass Stephanus gerade in der Zeit von Gott
geehrt wurde, als die Menschen ihn entehrten, schien ihn
zu ärgern.
So verfolgte Saulus weiter die Gemeinde Gottes, jagte
den Gläubigen nach, nahm sie in ihren Häusern fest und
lieferte sie dem Gefängnis und Tod durch die Priester und
Obersten aus. Sein Eifer bei dieser Verfolgung versetzte
die Christen in Jerusalem in Angst und Schrecken. Die
römischen Behörden taten nichts, um dieses grausame
Werk zu verhindern; insgeheim unterstützten sie die Juden
sogar, um ihre Gunst zu gewinnen.
Der gelehrte Saulus war ein mächtiges Werkzeug in den
Händen Satans, um seine Empörung gegen Gottes Sohn
auszuführen. Doch ein Mächtigerer als Satan hatte Saulus
erwählt, den Platz des Märtyrers Stephanus einzunehmen
und in seinem Namen zu wirken und zu leiden.
Wegen seiner Bildung und seines Eifers bei der Verfolgung
der Gläubigen war Saulus ein hochgeachteter
Mann bei den Juden. Bis zum Tod des Stephanus war er
kein Mitglied des Sanhedrin (Hohen Rats) gewesen. Doch
angesichts der Rolle, die er bei dieser Begebenheit gespielt
hatte, wurde er jetzt aufgenommen.
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