144. Der Tod des Stephanus

Apostelgeschichte 6,8-7,60
Stephanus war sehr aktiv im Werk Gottes und bekannte
unerschrocken seinen Glauben. »Da standen einige auf
von der Synagoge der Libertiner und der Kyrenäer und
der Alexandriner und einige von denen aus Zilizien und
der Provinz Asien und stritten mit Stephanus. Doch sie
vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem
Geist, in dem er redete.«

Diese Schüler der großen Rabbis waren sich ihres
Sieges über Stephanus bei einer öffentlichen Diskussion
völlig sicher, weil sie ihn für unwissend hielten. Doch er
sprach nicht nur in der Kraft des heiligen Geistes, sondern
es wurde für alle Anwesenden erkennbar, dass er die Propheten
kannte und in allen Fragen des Gesetzes bewandert
war. Geschickt verteidigte er die von ihm vertretene
Wahrheit und überwand seine Gegner.

Die Priester und Obersten, die Zeugen dieser wunderbaren
Offenbarung der Kraft waren, die die Predigt des
Stephanus begleitete, wurden von bitterem Hass erfüllt.
Statt sich von den klaren Beweisen überführen zu lassen,
beschlossen sie, ihn zum Schweigen zu bringen und zu
töten. Deshalb ergriffen sie Stephanus und brachten ihn
vor den Hohen Rat – den Sanhedrin, um seinen Fall zu
untersuchen.

Gelehrte Juden aus den Ländern der Umgebung waren
zusammengerufen worden, um die Beweisführung des
Angeklagten zu widerlegen.

Auch Saulus war anwesend – ein entschiedener Gegner
der Lehren Christi und ein Verfolger all derer, die an Jesus
glaubten. Er spielte eine führende Rolle gegen Stephanus.
Mit der Beredsamkeit und Logik eines Rabbiners versuchte
er, die Menschen davon zu überzeugen, dass Stephanus
verführerische und gefährliche Lehren verbreitete. Aber
in Stephanus stieß Saulus auf einen Menschen, der eine
genauso hohe Bildung besaß wie er selbst, und der ein
sehr klares Verständnis hatte für die von Gott geplante
Ausbreitung des Evangeliums unter allen Völkern. Er
glaubte an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und
wusste alles über die Vorrechte der Juden. Doch sein Glaube
war umfassender, und ihm war bewusst, dass jetzt die
Zeit gekommen war, in der die wahren Gläubigen nicht
nur in Tempeln anbeten sollten, die mit Händen gemacht
sind, sondern die Menschen in der ganzen Welt Gott im
Geist und in der Wahrheit anbeten konnten. Vor den Augen
von Stephanus war der Schleier gefallen, und er erkannte
das Ende aller Dinge, die durch Christi Tod aufgehoben
worden waren.

Trotz ihres heftigen Widerstandes konnten die Priester
und Obersten nichts gegen seine klare, ruhige Weisheit
ausrichten. Weil sie befürchteten, andere würden seinen
Glauben übernehmen, und weil sie ihre hasserfüllten
Rachegefühle befriedigen wollten, beschlossen sie, ein
Exempel zu statuieren. Eindrucksvolle Anklagen wurden
gegen ihn erhoben. Bestochene Zeugen behaupteten, er
hätte gegen den Tempel und das Gesetz gelästert. Sie sagten:
»Denn wir haben ihn sagen hören: Dieser Jesus von
Nazareth wird diese Stätte zerstören und die Ordnungen
ändern, die uns Mose gegeben hat!« Als Stephanus seinen
Richtern von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand, um
sich wegen der Anklage der Lästerung zu verantworten,
erleuchtete ein heiliger Glanz sein Angesicht. »Und alle,
die im Rat saßen, blickten auf ihn und sahen sein Ange251
sicht wie eines Engels Angesicht.« Viele, die dies sahen,
zitterten und verhüllten ihr Gesicht; doch ihr halsstarriger
Unglaube und ihr Vorurteil gerieten nicht ins Wanken.